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13. Wissenschaftstagung ökologischer Landbau
Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde
17. bis 20. März 2015

 

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13. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau

Am Mut hängt der Erfolg! Rückblicke und Ausblicke auf die ökologische Landbewirtschaftung

13. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau
„Am Mut hängt der Erfolg!“

Die Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau in Eberswalde motivierte dieses Jahr über 450 Teilnehmer*innen die unterschiedlichen Aspekte der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft zu diskutieren und in Dialogworkshops mutige Thesen zu deren Weiterentwicklung auszuarbeiten.

Unter dem Motto „Am Mut hängt der Erfolg!“ luden die Veranstalter der 13. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde im März 2015 etwa 450 Nachwuchs-/Forscher*innen, Biolandwirt*innen und Berater*innen aus dem deutschsprachigen Raum ein, zu prüfen, wie es um unseren Mut bestellt ist.
Im Mittelpunkt der Tagung stand der fachliche Austausch zu 109 wissenschaftlichen Vorträgen und 96 Postern. Ergänzt wurde das Programm durch 16 Workshops, die den Dialog zwischen Praxis, Beratung und Wissenschaft zu aktuellen, praxisrelevanten Themen anregten und den Teilnehmern die Möglichkeit boten, aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft mitzunehmen, Impulse für eine relevante Forschung zu geben und auf diese Weise die Zukunft der Ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft mitzugestalten.

Sechs Fachexkursionen zu Partnern des „InnoForum Ökolandbau Brandenburg“, den Kooperationsunternehmen für Lehre und Forschung zur Ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft an der HNE, brachten den Gästen neben Pionierbetrieben in der Region auch mutige junge Existenzgründer nahe, stellten regionaltypische alternative Tierhaltungskonzepte vor und griffen Beispiele der sozialen Landwirtschaft auf. Die Bedeutung der Stadt-Land-Beziehungen wurde am Beispiel der Metropolregion Berlin erlebt und lebhaft diskutiert.
Plenumsveranstaltungen mit Referent*innen aus Praxis, Beratung, Wissenschaft und Politik sowie ein vielseitiges kulturelles Rahmenprogramm und ein saisonales und regionales kulinarisches Angebot, z.B. mit einem Marktplatz regionaler Erzeuger*innen rund um den Begrüßungsempfang, rundeten die Tagung ab.

Erfreulicher Trend - thematische Breite der wissenschaftlichen Vortrags- und Posterpräsentationen

Nach wie vor dominierten bei den Vorträgen und Postern mit fast 50% der Beiträge Forschungsergebnisse aus dem Themenfeld „Pflanze“ das Feld. Erfreuliche Trends waren in den Themenfeldern „Tier“ mit 23% der Beiträge, im Themenfeld Ökonomie und Marketing (17% der Beiträge). Interessante Entwicklungen ließen sich auch im Bereich „Beratung, Wissenstransfer, Bildung“ mit 10% der Beiträge beobachten. Hier standen neben dem Wissenstransfer die Entwicklung von Weiterbildungsangeboten und Entscheidungshilfen im Vordergrund. Nur zum Natur- und Umweltschutz wurden auch dieses Jahr nur wenige Beiträge präsentiert.

Dialogworkshops formulieren mutige Thesen

Die Teilnehmer der Dialogworkshops waren aufgefordert mutige Thesen zur Weiterentwicklung der Ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft zu formulieren. Von dieser Möglichkeit haben einige Teilnehmer Gebrauch gemacht und Thesen und Forderungen an die Akteure der Bio-Branche abgeleitet.

Aus den Dialogworkshops zum „Acker- und Pflanzenbau bzw. Boden“ hat der Workshop „Agroforstsysteme als multifunktionales Landnutzungskonzept für den Öko-Ackerbau“ diese Gelegenheit genutzt und die Chance von Agroforstsystemen als Diversifizierungsstrategie und einen Weg zur multifunktionalen Landwirtschaft, mit positiven Umwelteffekten, hervorgehoben. Insbesondere sei das Vernetzungspotenzial verschiedener Disziplinen anhand von Agroforstsystemen enorm.

In den Dialogworkshops zur „Ökologischen Tierhaltung und –zucht“ wurde neben den Zuchtzielen und Anforderungen der ökologischen Milchrinderzucht, die Tierwohlkontrolle und die Haltung alter Nutztierrassen im Ökologischen Landbau diskutiert. Spezifische Zuchtziele für die ökologische Milchrinderzucht (v.a. bessere Rauhfutterverwertung) müssten durch die Bio-Verbände gefordert, durch angepasste Leistungsprüfung überprüft und durch Schulung und Beratung der Landwirte gefördert werden. Eine Etablierung der Tierwohlkontrolle innerhalb der Bioregelkontrolle sollte durch die Entwicklung und konsequente Anwendung von Indikatoren umgesetzt werden. Dies müsste konsequent gemeinsam (inkl. Verbände + Handel) weiterverfolgt werden, um den Vorsprung gegenüber der konventionellen Tierhaltung zu halten und den Verbrauchern die gewünschte offene Kommunikation über die Tierwohlsituation bieten zu können. Alte Nutztierrassen sollten gezielt durch die Verknüpfung von „regional“, „bio“ und „alte Rassen“ durch die Verbände gefördert, hinsichtlich ihrer Leistungen überprüft und bei den Verbrauchern bekannt gemacht werden.

Im „Dialog mit der und über die Wertschöpfungskette“ wurden mutige Thesen zu „Nachhaltig Bio!“, Managementstrategien und alternativen Finanzierungsformen als Zukunftsmodell für die Bio-Branche herausgearbeitet. „Nachhaltig Bio!“ wird in Zukunft durch einen intensiveren Dialog entlang der Wertschöpfungskette realisiert. Dazu werden die Verbraucher*innen durch die kritische Nutzung bestehender und innovativer Werkzeuge wie Standards, Leitfäden und IT-Tools eingebunden. Geeignete Managementstrategien der ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft zeichnen sich durch Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Kontinuität entlang der Wertschöpfungskette. Strukturen Die Einbindung aller Mitarbeiter in die Weiterentwicklung von Visionen und Ideen sowie ein geeignetes Personalmanagement tragen zur effizienten Organisation der Unternehmen bei. Alternative Finanzierungsformen sind das Zukunftsmodell für die Entwicklung der Bio-Branche, da sie v.a. für Jungunternehmer*innen interessant sind. Insbesondere die Schwarmfinanzierung trägt zur Verbindung von Erzeuger und Verbrauchern bei und eröffnet neue Perspektiven.

Der Dialog zu mutigen neuen Wegen zur Gestaltung gemeinsamer Forschung identifizierte als Kriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit die gegenseitige - auch monetäre - Wertschätzung und Verlässlichkeit aller Beteiligten, sowie die Etablierung kontinuierlicher, konsequent umgesetzter und gemeinsam gesteuerter Prozess-Feedback-Loops.

Blick in die Zukunft:

Die 13. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau in Eberswalde gab durch neue Forschungserkenntnisse Anstöße für Praxis und Beratung, auf deren Grundlage Berater*innen Landwirt*innen durch ihre professionelle Begleitung bei der Entwicklung individueller Lösungen ermutigen und erfolgversprechende Wege für ihre Unternehmen aufzeigen können.

Neben der Grundlagenforschung wird es künftig weiterhin Mut erfordern die im Ökolandbau gewachsene Praxis-Forschung in der Wissenschaft zu etablieren und zu honorieren. Dazu gehört auch mit ermutigenden Ergebnissen zum Innovationsprozess im Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis und Beratung beizutragen und diese möglichst breit zu kommunizieren.

Ebenso gilt es die Herausforderung des Generationswechsels auch für die Wissenschaft zu gestalten. Erste Ideen zur Zukunft der Forschung zum System Öko-Landbau wurden im Rahmen eines Dialogworkshops von jungen Forscher*innen erarbeitet Diese werden auf dem 2. DAFA-Fachforum "Zukunft des Systems Ökolandbau" am 11. und 12. Mai in Berlin vorgestellt.

Nicht zuletzt bleibt abzuwarten, welchen Beitrag die Junge Generation zur Weiterentwicklung der Ökologischen Agrar- und Ernährungswirtschaft leisten wird. Eine erste Junge Vision wurde im Vorfeld der Wissenschaftstagung erarbeitet und auf der Tagung vorgestellt. Denn die Einstellung „Mögen hätt’ ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut“ führt i.d.R. nicht weiter. Daher wünschen wir allen Akteuren weiterhin den Mut zum Erfolg!

Tagungsteilnhemer

Nicht nur das Wetter trug zur guten Stimmung bei - herzlichen Dank an alle Teilnehmer! (Bildquelle: Sandra Hermannsen)